Gipsy

Gipsy

Mir gefiel es im Grossen und Ganzen relativ gut bei meiner Halterin. Mein Frauchen finde ich ganz nett. Nur bin ich durch mein unbeständiges Temperament viel in meiner näheren und weiteren Nachbarschaft unterwegs. Nach meinen unzähligen und aufregenden Streifzügen, fand ich mich mehr oder weniger regelmäßig zu den üblichen Mahlzeiten, in mein von mir vorübergehend gewähltes Heim ein.
Sie kennen dies sicherlich, die erste Wohnung muss nicht für immer sein. Selbst Sie haben ganz bestimmt Kompromisse geschlossen, bis Sie Ihre Traumwohnung fanden, oder etwa nicht? Eines Tages tauchte ich einfach nicht mehr auf. Tag für Tag suchte meine Dosine mich bereits seit etwa drei Wochen. Aus irgendeinem Grund machte sie sich aber keine Sorgen um mich, da ich bereits in der Vergangenheit öfters eine Auszeit nahm. Typisch Mann, dachte sie wohl sicherlich, er geht wahrscheinlich sein Katzengras holen.
Wie es der Zufall will, laufen einem irgendwann in seinem Leben vermisste Personen über den Weg, wenn man lange nicht mehr an sie denkt. Etwa ähnlich war es auch in meinem Fall. Meine Halbdosine entdeckte mich bei einem ihrer ausgedehnten Spaziergänge in einem Viertel, dort wo die "gut betuchten" Herrschaften ihre Villen bewohnten. Stolz kam ich ihr entgegen. Ich hatte mich verändert. Ausgezeichnet gut sah ich aus. Nicht nur dass mein schönes Fell noch mehr glänzte als sonst, nein, ich trug zudem noch ein edles rubinrotes Halsband, welches mit kleinen Strasssteinen besetzt war. Irgendwie wirkte ich erhabener als sonst. Huldvoll ließ ich mich von meiner ehemaligen Dosine über mein samtweiches Fell streicheln. Sie wusste nun dass ich mich für ein anderes Zuhause entschieden hatte und ließ mich gehen. Schließlich war ich ein freier Kater. Bestimmt würde ich gelegentlich bei ihr zu Besuch vorbeischauen, wenn meine Verpflichtungen es mir erlaubten.

Autor: Martina Jenner www.die-rote-feder.de

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